ABSAGE KOLLEGAH

Unser Statement zur Absage des Kollegah-Konzerts

Wie bereits gestern angekündigt, kann das Konzert am Samstag nicht stattfinden.  Nach einem intensiven Entscheidungsprozess sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass unter den aufgetretenen Umständen, der Schwere der Vorwürfe und aufgrund des Umgangs des Künstlers damit, das Konzert nicht mit der Philosophie des Backstage zu vertreten ist und wir keine alternativen Handlungsoptionen haben.
Wie auch schon in unserem Zwischenbericht sichtbar wurde, halten wir es aufgrund der Komplexität der Themen im Rahmen dieses Konzerts für notwendig, sowohl den Weg unserer Meinungsbildung transparent zu machen als auch eine ausführliche Begründung zum Ergebnis abzugeben.

https://www.backstage.info/images/BackstagePolitics/ZwischenstandzumKollegahKonzert.pdf

 Unser Anspruch
Wie nur wenige andere Locations nehmen wir unsere gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst und haben uns daher seit Monaten intensiv und über alle erträglichen Maße mit diesem Konzert auseinandergesetzt. Dabei sind wir bei diesem Konzert gar nicht der für das Programm verantwortliche Veranstalter, sondern nur die Hallenvermieterin. Natürlich hätten wir einen der beiden einfachen Wege nehmen können: Entweder das Konzert mit dem Verweis auf die bekannten Vorwürfe schon vor Monaten absagen oder es stattfinden lassen mit dem Hinweis, dass die Texte juristisch nicht verboten sind und so unter die künstlerische Freiheit fallen. Beide Optionen standen für uns nie zur Debatte aufgrund der nötigen Sensibilität bei den Themen des Antisemitismus, Sexismus sowie der Homophobie. Die ganzen Dilemmata haben wir ja schon im Zwischenbericht beschrieben, hier nochmal kurz zusammengefasst:    
a)    Die zahlreichen Vorwürfe gegen Kollegah haben wir von Anfang an ernst genommen und wir haben – wie die KritikerInnen – den Künstler ebenfalls als äußerst kritisch gesehen. Es war somit absolute Voraussetzung, dass das Konzert niemals unkommentiert stattfinden darf und wir eine differenzierte Auseinandersetzung suchen müssen, selbst wenn diese sehr mühsam werden kann.
b)    Bei Konzerten in der Vergangenheit haben wir auch gesehen, dass eine Absage nicht immer die beste Methode im Engagement gegen Extremismus und Antisemitismus ist. Viele Künstler nutzen diese zur Stilisierung als Opfer, anderen verschwinden in den Untergrund oder werden noch extremer. Wir waren deswegen unsicher, ob wir der guten Sache eher schaden als helfen, da auch rechte Gruppen eine solche Absage gerne missbrauchen und für ihre Zwecke instrumentalisieren.
c)    Der Künstler hat uns hinsichtlich der Vorwürfe geantwortet, dass diese scheinbar nicht zutreffen, er kein Antisemit ist und er sich dazu gerne äußern und mit den Kritikern auseinandersetzen will. Ein solches Angebot bekommt man von Künstlern sehr selten, weswegen wir diese Chance natürlich nutzen wollten, denn was kann es Besseres geben als den direkten Austausch mit dem Künstler, der dazu führt, dass dieser sein problematisches Handeln überdenkt und entsprechend ändert?
Der Manager des Künstlers hat uns da beispielsweise bei unserem ersten Gespräch vor Monaten gesagt:  “Ist es nicht besser den verlorenen Sohn nicht wieder heim zu holen als vor der Türe stehen zu lassen?“ – Wir sind da absolut der Meinung! – aber dafür ist schon die Vorrausetzung, dass dieser wirklich geläutert ist.


Unser Anspruch war daher, diese Widersprüche, inhaltlichen Vorwürfe sowie das generelle Thema der Konzertverbote in seiner ganzen Komplexität mit den KritikerInnen, dem Künstler, der Politik und den Fans ausführlich zu diskutieren.
Leider ist dieses Vorhaben aus verschiedenen Gründen gescheitert. Am Ende war der entscheidende Faktor die weiterhin provozierende, nicht vertrauensbildende, widersprüchliche und  auch uns gegenüber viel zu passive Haltung des Künstlers. Wer sich Boss nennt, sollte auch die Stärke haben, Fehler zuzugeben, seine Haltung deutlich zu erklären und vor allem Stellung zu den massiven Vorwürfen nehmen. Aussagen wie beispielsweise „Er habe auch jüdische Freunde“ sind da zu kurz gegriffen.
Bis gestern haben wir Kollegah diese Möglichkeit eingeräumt, die er aber nicht genutzt hat. Wir bedauern dies für alle Fans und verstehen natürlich eure Enttäuschung.

Die konkreten Gründe
1.    In den letzten Monaten haben wir quasi täglich versucht, eine kritische und ehrliche Auseinandersetzung zwischen dem Künstler und den KritikerInnen zu realisieren. Es war für uns immer die entscheidende Bedingung für das Zustandekommen des Konzerts, dass sich der Künstler im Vorfeld deutlich, überzeugend und ehrlich von seinen Verfehlungen distanziert und sich den entsprechend den KritikerInnen stellt. Dafür hatten wir in den letzten Monaten zwar stets  die Zusage seines Managements, ein überzeugendes Statement fehlt aber bis heute.
2.    Das gesamte Verhalten des Künstlers in den letzten Wochen konterkarierte unsere Bemühungen geradezu wie bspw. die Verhöhnung der KritikerInnen bei einem Konzert. Auch die viel zu späte und unklare Antwort auf die Frage, welche Texte auf dem neuen Album für weitere Provokationen sorgen könnten, unterstreichen die fehlende Einsicht des Künstlers zur Kooperation und Selbstkritik. Kurzum: Das Handeln von Kollegah steht immer wieder im Widerspruch zu seinen scheinbar versöhnlichen Aussagen, was für uns weder ehrlich noch vertrauenswürdig ist. 
3.    Ebenso war uns immer eine Grundbedingung, eine konstruktive Debatte über die antisemitischen oder anderen diffamierenden Inhalte in den Texten und Aussagen von Kollegah parallel zum Konzert zu führen. Hierfür bekamen wir dann im Gegensatz zu den vergangen Monate keine ausreichende verbindliche Zusage des Managements oder des Künstlers für dessen direkte und aktive Teilnahme an der von uns nun mit der „Jungen Presse“ Bayern geplanten öffentlichen kritischen Auseinandersetzung vor dem Konzert.
Ebenso  konnten wir leider  bis auf die „Junge Presse Bayern“ keine Akteure für eine solche öffentliche Diskussion gewinnen, was wir als sehr enttäuschend und traurig empfinden. Es sollte für alle, die den Kampf gegen Hass, Hetze und Diffamierung ernst meinen, doch ein echtes Anliegen sein, in der Öffentlichkeit darüber aufzuklären, damit solche Künstler zukünftig keine Bühne oder Fanzuspruch mehr bekommen.
Wir verstehen natürlich, dass sich insbesondere jüdische Verbände oder Betroffene nicht instrumentalisieren lassen wollen aufgrund der Gefahr, mit einer Diskussion ein solches Konzert womöglich noch zu rechtfertigen. Dennoch finden wir es für die Sache notwendig, über diese problematischen Inhalte zu reden. Wir hoffen, in Zukunft dafür gemeinsam Formate entwickeln zu können. 


Randkritik
Wir bedauern auch die mangelnde Unterstützung von Seiten der verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Akteure in München. Wir haben kein Verständnis, wenn gerade bei so einem heiklen Thema wie Antisemitismus nicht mit uns direkt gesprochen, sondern nur der Weg in die Medien für populäre Verbotsphrasen oder Anschuldigungen gesucht wird. Als Backstage sind wir Kritik und Anfeindungen durchaus gewohnt, aber der Umgang der Kritiker mit uns war in den letzten Wochen teilweise unfair, stillos  und sogar existenzgefährdend.
Wir danken an dieser Stelle gerne dem Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung Ludwig Spaenle sowie dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, die sich sachlich und lösungsorientiert zu diesem Thema geäußert haben.  Ebenso wie die SPD-Fraktion im Münchner Rathaus, die hier als einzige Partei unserer Bitte zu einem Austausch in dieser Sache konstruktiv und kooperativ nachgekommen ist.

Ebenso war es nicht sonderlich redlich, dass hier beispielsweise Gruppierungen mit denen wir zuvor fest das Zustandekommen von kritischen Gesprächsterminen mit dem Künstler und/oder dessen Managements vereinbart hatten, diese das dann wieder ohne entsprechende Begründung abgesagt hatten, um dann möglichst medienwirksam ein Auftrittsverbot des Künstlers zu fordern.  Gleichzeitig wurde an Dritte, wie beispielweise andere im BACKSTAGE auftretende KünstlerInnen,  Aufforderungen uns gegenüber mit einer komplett falschen Darstellung unserer Haltung wie unserer Vorgehensweise geschickt.
 
Die Medienvertreter möchten wir für die Zukunft darauf hinweisen, dass es redlich wäre, zuerst mit uns zu sprechen, bevor man unzutreffende Behauptungen in unserem Namen abdruckt. Wir sind immer für ein Gespräch offen und erklären gerne unsere Haltung, wenn wir gefragt wären. 

Konzertabsagen
Wir betonen, dass Konzertabsagen nach wie vor ein Mittel sind, das wir eigentlich ablehnen und nur in äußersten Fällen anwenden wollen. In diesem – sowie in den anderen Fällen heuer – waren diese aber unvermeidbar. Entscheidender Faktor war dabei nie der Druck von irgendwelchen Bündnissen, Linken, Rechten oder Anderen, sondern unsere eigene Meinung, die wir uns auf Grundlage unserer Philosophie und unter Einbeziehung aller Interessen gebildet haben! Dieser Weg ist sicher der schwierigste und aufwendigste.
(https://www.backstage.info/images/BackstagePolitics/BackstagePhilosophie.pdf)

Es wird im BACKSTAGE in Zukunft wohl sicherlich immer mal wieder KünstlerInnen geben, die berechtigt oder unberechtigt in der Kritik stehen. Doch es ist und bleibt unser idealistischer Anspruch, gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen und über strittige Themen aufzuklären, anstatt sie nur zu verschieben.   

Rückblick
Vielleicht war es im Nachhinein zu optimistisch oder zu naiv zu glauben, man könnte eine differenzierte Auseinandersetzung mit allen Akteuren im Engagement gegen Antisemitismus realisieren. Denn genau diese wäre Notwendigkeit, um insbesondere die jungen Fans über die Probleme in den Texten von Kollegah aufzuklären. Auch wäre es für die politischen Akteure ratsam, alle Konsequenzen und Ebenen eines Verbots zu durchdenken, da die eigene Filterblase andere Perspektiven gerne verschleiert.
Deswegen appellieren wir an alle Akteure, ob Künstler, Parteien, Bündnisse, Kritiker oder Fans, in Zukunft konstruktiv, frühzeitig und aktiv mit uns zusammen zu arbeiten, um solche Absagen zu vermeiden.
Populäre Symbolpolitik, unkommentierte Verbote oder unreflektierte Vorverurteilungen lehnen wir auch weiterhin ab, denn wir stemmen uns weiterhin gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft, die leider nicht nur von den Rechtspopulisten betrieben wird.  Daher muss der Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus, Extremismus, Homophobie oder Frauenverachtung intensiv, kooperativ, konstruktiv,  nachhaltig  und fundiert geführt werden. Gehen wir es an! 


Kollegah Debatte

Zwischenstand zum Kollegah-Konzert

Aufgrund der aktuellen Debatte über Kollegah wollen wir Euch über unseren aktuellen Planungsstand informieren:

Die Kritik an Kollegah nehmen wir natürlich sehr ernst -  zumal wir diese  natürlich zunächst mal selbst im großen Maße selbst teilen müssen.  Deswegen beschäftigen wir uns schon seit Monaten – und lange bevor es die ersten öffentlichen Forderungen nach einer Absage gab – kritisch mit diesem Thema. In den letzten Wochen sogar mit enormen Aufwand. – Denn schließlich ist das Engagement gegen Antisemitismus seit Jahrzehnten festes Anliegen von uns.

Allerdings stehen wir in dem Dilemma, die Kritik an dem Künstler, aber auch seine Sichtweise ernst zu nehmen, die verschiedenen Interessen zu vereinbaren und vor allem die richtige Vorgehensweise für die Sache zu finden. Die Frage, was der Sache am besten nützt, hat für uns immer oberste Priorität, nicht unsere Vorteile oder unser Image in der Öffentlichkeit. Aus langer Erfahrung wissen wir, dass einfache, auf dem ersten Blick populäre Lösungen oft nicht die Sinnvollsten sind.
Folgende Aspekte sind für bei der Meinungsbildung wichtig:
1.    Die Interessen und das Empfinden der von der Diskriminierung Betroffenen
2.    Das Thema bspw. Antisemitismus
3.    Die Interessen der Fans und der Szene sowie die Möglichkeit für uns auf diese positiv Einfluss nehmen zu können
4.    Der Standpunkt des Künstlers

Bei umstrittenen Konzerten suchen wir daher immer den Austausch mit den KünstlerInnen, den KritikerInnen und den Betroffenen. Ebenso überlegen wir intensiv, was eine Absage für die Betroffenen, die Fans und die Szene bedeuten kann. Denn es müssen alle Konsequenzen bei einer solchen Entscheidung berücksichtigt werden.

Bei Kollegah stehen wir nun vor mehreren Dilemmata:

  1. Auf der einen Seite will Kollegah keinesfalls als Antisemit oder geistiger Brandstifter gesehen werden. Das hat er und sein Manager uns mehrfach deutlich geantwortet, als wir ihn mit den Vorwürfen konfrontiert haben. Ebenso gibt es sowohl in Songs des Künstlers alsauch in diversen öffentlichen Darstellungen von diesem z.B. im Internet durchaus entsprechende Aussagen. Demgegenüber stehen auf der anderen Seite ein Teil seiner Texte, Interviews, Statements und sein Auftreten klar im Gegensatz dazu. Dessen mindestens respektlose Äußerungen zum Holocaust finden wir nicht nur unsensibel, sondern schwer erträglich – wie ist das erst für unsere jüdischen FreundInnen und MitbürgerInnen? Wie soll man diese Widersprüche bewerten?
  2. Wir sind hier grundsätzlich nicht die SprecherIn von KünstlerInnen. Allerdings versuchen wir seit längerer Zeit eine Diskussion zwischen den KritikerInnen und Kollegah zu vermitteln, da er zu den Vorwürfen direkt Stellung nehmen und sich rechtfertigen will – zu dem nach unserer langjährigen Erfahrung leider nur wenige KünstlerInnen bereit sind. Wäre es nicht mal den Versuch wert, dass sich ein Künstler mit KritikerInnen auseinandersetzt und dann vielleicht sein zweifelsohne hochproblematisches Verhalten reflektiert und verändert?
    Diese zum Teil bereits vereinbarten Gespräche wurden zu unserem größten Bedauern bis jetzt stets von den KritikernInnen abgesagt. Auch wurde von manchen Organisationen eine Diskussion mit dem Künstler ohne Begründung von vornherein abgelehnt, was uns ebenfalls sehr irritiert.
  3. Das Backstage ist bei diesem Konzert nicht die  Veranstalterin, auch haben wir Kollegah selber nicht eingeladen. Wir vermieten die Halle in diesem Falle an eine Agentur, die von Kollegah beauftragt wurde. Eine Absage geht daher allein aus organisatorisch-rechtlichen Gründen nicht so leicht und schnell, wie manche das fordern. Klar ist, dass wir natürlich zu unserer gesellschaftlichen Verantwortung stehen, egal ob wir hier ein Konzert selber veranstalten oder nur Vermieterin sind. Klar ist aber auch, dass wir eben einen Rechtsstaat haben und wir daher nicht so einfach geschlossene Verträge einseitig und kurzfristig brechen können. Diese dann ggf. aufzulösen erfordert mehr Zeit und kostet uns ggf. – wie bereits schon einige Male in der Vergangenheit – dann durchaus eine Menge Geld.
  4. Wir stehen hier ganz klar für die Freiheit der Kunst. Gerade im Bereich der „Jugendkultur“ war es seit jeher ein häufiges Mittel zu provozieren und gegen gesellschaftliche Konventionen zu verstoßen, auch sind da oft die Grenzen zwischen maßloser Überspitzung oder Ironie und ernsthaft Gemeintem stark interpretierbar. Das heiß wir mussten auch hier im BACKSTAGE in den letzten 29 Jahren einiges ertragen, was uns aus unterschiedlichsten Gründen stark missfallen hat.
    Demgegenüber aber stehen wir auch mindestens im gleichen Maße für gesellschaftliche Verantwortung und gewisse Werte. Wir sind der Meinung, dass die Freiheit der Kunst eben nicht alles rechtfertigt.  Deswegen haben wir in der Vergangenheit auf Grund unseres eigenen Wertekanons für uns die „rote Linie“ früher gezogen als viele andere. Selbst wenn dementgegen seit einiger Zeit manche uns dies explizit absprechen.  Wir wehren uns drüber hinaus gegen den wachsenden Trend, dass wir uns zunehmend mit einer massiven manchmal populistischen und oft schlecht recherchierten Einflussnahme von gewissen Gruppen oder gar Teilen der Politik auf die Programmgestaltung von Clubs und Veranstaltungszentren konfrontiert sehen.
    Wo beginnt da eigentlich die (selbst)Zensur? – sollten wir jetzt von vorneherein jegliche KünstlerInnen ablehnen, die aus irgendwelchen Gründen umstritten sind? – oder wo ziehen wir da die Grenze? Wenn ein Kollegah nicht geht – geht da dann beispielsweise ein „Frauenarzt“ „Cool Savas“ oder Sido? Wie viele Konzerte könnten wir dann guten Gewissens überhaupt noch auf die Bühne bringen? - welche Qualität und Vielfalt hätte dann noch unser Programm?
  5. Das Kollegah-Konzert ist bereits seit Monaten ausverkauft.  Viele Fans freuen sich schon seit langem auf das Konzert. Auch wird von diesen überwiegend beispielsweise eine antisemitische, homophobe oder frauenfeindliche Haltung nicht geteilt.  Diese würden wir nun mit einer Absage voll vor den Kopf stoßen und dann auch sogar noch finanziell schädigen, weil diese natürlich bei einer Absage nur den VVK-Preis ohne die mittlerweile doch recht beträchtlichen VVK- und Systemgebühren rückerstattet bekämen. Es könnte allem voran sehr fatal werden,  wenn dann durch eine Konzertabsage bei den enttäuschten und vielleicht sogar verärgerten Fans wir überhaupt erst womöglich einen Brandbeschleuniger für antisemitische Hetze von rechten Kreisen liefern würden.  Zum anderen könnten sich dann zunehmend Fans und Gäste auch bei anderen Konzerten selbst mit nur vermeintlich „problematischen“ KünstlerInnen fragen, ob mann/frau hierfür überhaupt noch Tickets kaufen solle, weil ja die Gefahr bestünde, dass dieses Konzert eh wieder abgesagt werden würde.  Mit beidem mussten wir jüngster Zeit bereits zu unserem größten Bedauern die Erfahrung machen.  

    Zwischenfazit:

    Aktuell sind wir noch in einem Prozess mit allen Beteiligten, auch stehen noch weitere Gespräche aus. Im Gegensatz zu manch anderen Locations versuchen wir mit allen Mitteln, das Konzert kritisch zu begleiten und zu kommentieren – unabhängig von der Frage ob ein Auftritt des Künstlers bei uns stattfinden wird oder nicht.  Wir hoffen daher, dass alle Seiten diese Angebote zum Austausch nun endlich annehmen, um das Problem nicht einfach nur zu verdrängen, sondern zu lösen.    
    Schließlich würde der Künstler dann wahrscheinlich einfach wo anders auftreten und ist ja auch sonst nicht aus der Welt.

    Wir stellen aber auch mit Erschrecken fest, dass bei schwierigen und komplizierten Themen ein ergebnisoffener Prozess von manchen Seiten verweigert oder gar blockiert wird.  Wir sehen im Umgang mit problematischen Themen die zunehmende Spaltung in unserer Gesellschaft und wir stehen da mitten auf der Bruchlinie.  Auch werden kreative Lösungen oder Kompromisse immer weniger angestrebt, genauso wie der direkte Dialog oder die sachliche kritische Auseinandersetzung. Ebenso war bis jetzt die Berichterstattung in den Medien hierzu meist nicht differenziert, fair und zum Teil sogar unrichtig.  Das alles sehen wir mit größter Sorge als weitere massive Gefährdung unserer Demokratie von den „anderen Seiten“ an, welche doch schon zunehmend von Rechtsextremisten und -Populisten bedroht ist.

    Ein umfassenderes Statement zum Thema folgt.  

    Euer Backstage







Backstage Philosophie

Backstage Philosophie
- Manifest zu unserem grundsätzlichen Selbstverständnis -

1. Mission:
Seit Gründung des Backstage am 11.1.1991 verfolgen wir ein klares Ziel: Einen Raum zu schaffen, in dem Kulturen gelebt, Kunst zelebriert und gesellschaftliche Belange diskutiert werden.
In unserem Selbstverständnis ist Kunst und Kultur nicht nur Selbstzweck oder ein Unterhaltungsangebot, sondern drückt gleichwohl die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Situationen und Aspekte aus - oder kann hierzu mitunter Ideen und Visionen aufzeigen.
Diesbezüglich hat es keine Rolle gespielt, dass wir uns stets selbst finanzieren mußten und permanent unter einem extremen strukturellen und kommerziellen Druck standen bzw. nach wie vor noch stehen.
Die Vielfältigkeit der Welt auf die Bühne zu bringen, ist unsere zentrale Motivation, weshalb wir allen Musikrichtungen und Kulturen im Backstage einen Raum geben.
Wir verstehen es als unsere Aufgabe, Menschen aller sozialer Schichten, Milieus oder Bereiche, ethnischer Herkunft sowie politischer und religiöser Weltanschauung bei unterschiedlichsten Veranstaltungsformaten wie Konzerten, Partys, Ausstellungen und Märkte, Filmvorführungen, Public Viewings, Seminare/Tagungen oder bei politischen Events, zusammenzubringen, zu vernetzen und miteinander in Austausch zu führen. Das Backstage war immer mehr als nur eine „Unterhaltungslocation“ und möchte weiterhin zukünftig ein Raum der Aufklärung und der sozialen Bewegungen mit einem gesellschaftspolitischem Interesse und Verantwortung sein.
Wir glauben, dass die Konfrontation mit anderen Perspektiven und das Zusammenführen von Unterschiedlichem die beste Basis ist, um Toleranz, Akzeptanz und Respekt in der Gesellschaft zu fördern.  
Daher lassen wir einerseits in einem weiten Rahmen kontroverse Meinungen zu. Das hat dennoch für uns seine klaren Grenzen, wenn rote Linien eindeutig überschritten werden. Denn Demokratie und Meinungsvielfalt bedeutet für uns ebenso: unterschiedliche Kulturen und Prägungen der Menschen akzeptieren und verstehen, auch wenn wir sie vielleicht persönlich ablehnen.
Deshalb fördern wir die Diskussion gleichermaßen zu umstrittenen Themen und bieten allen Akteuren eine Bühne, ihre Argumente vertreten zu können, sofern sie sich in einem demokratischen und menschenwürdigen Rahmen bewegen.
So darf dabei die Freiheit der Kunst nicht verhandelbar sein.  
Jedoch haben selbstverständlich Gewalt, Extremismus und Fundamentalismus aller Art bei uns im gleichen Maße keinen Platz - genauso wie beispielsweise Rassismus, Antisemitismus Chauvinismus, Frauenfeindlichkeit oder Homophobie - auch wenn wir damit trotzdem offensichtlich leider immer wieder konfrontiert werden und uns damit auseinander setzen müssen.
Aus sozialen wie ökologischen Gründen versuchen wir, Nachhaltigkeit auf verschiedenen Ebenen zu leben oder zumindest aufzuzeigen und fordern dies genauso von unseren PartnerInnen ein. Konkrete Maßnahmen wie beispielsweise ein Pelzverbot bei Kleidung oder die Verwendung von regenerativen Ökostrom setzen wir regelmäßig und selbstständig um.
Dazu ist unser Anspruch in allen gesellschaftlichen Fragen durchaus eben nicht neutral, sondern fair und stets menschlich zu sein.

Austausch, Dialog, Information und Sensibilisierung geht für uns allerdings primär vor Ablehnung und Stigmatisierung!

Unsere BesucherInnen und unsere KünstlerInnen verstehen wir als PartnerInnen, mit denen wir ein gemeinschaftliches Erlebnis gestalten wollen und zu einer besseren Gesellschaft und Welt beitragen wollen.

2.Vision:
Wir möchten das Backstage als den größten Raum in München erhalten und weiterentwickeln, in dem Akteure (fast) aller gesellschaftlichen Bereiche, politischen Richtungen, kulturellen Prägungen sowie ethnischen und örtlichen Herkünften einen Platz haben. Dabei wollen wir politisch und institutionell unabhängig bleiben. Denn nur der Wert der Freiheit ermöglicht uns, diese Offenheit und Vielfalt zu schaffen.

3. Werte
Mut: Ohne Mut kann keine Vision realisiert werden. Offenheit braucht ein starkes Selbstbewusstsein und eine eigene klare Haltung.
Freiheit: Finanzielle und institutionelle Unabhängigkeit sind die Basis für eine progressive Entwicklung ohne Denkverbote.  
Respekt: Die eigene Ideologie darf nicht in moralische Überlegenheit oder Überheblichkeit münden!
Integrität: Wir stehen zu unserem Wort. Ein Handschlag und das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns sind die Grundlagen unserer Arbeit. Zugleich: Eigentum verpflichtet!
Rücksichtnahme:  „was Du nicht willst was man Dir tu´, das füge keinem/keiner anderen zu“
Eigenverantwortlichkeit: Frage nicht was die anderen, der Staat oder die Gesellschaft für Dich tun kann - sondern was Ich/Du für diese tun kannst.
Leidenschaft: "Ein Ideal und eine Leidenschaft braucht der Mensch". Dieser Satz vom Monaco Franze prägt unsere Arbeit. Wir lieben die Musik, die Kunst, die Natur und die Menschen. In jeder Phase unserer Handlungen.
Heterogenität: Demokratie muss kontroverse Meinungen nicht nur aushalten, sondern geradezu fördern!

Ticketrückgabe abgesagter oder verlegter Shows

Bei abgesagten oder verlegten Shows können die gekauften Tickets in der Regel an den jeweiligen Vorverkaufsstellen, bei denen sie gekauft wurden, zurückgegeben werden.
Im Backstageshop gelten die AGB. Tickets können bis zu zwei Monate nach Show zurückgegeben werden. 

 

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